Auf drei Ebenen ist dieser weitere Ausstieg der USA aus dem Klimaschutz, national wie international, kurz-wie langfristig, absolut dramatisch:
1. Die Abschaffung der Regulierung wird in den USA zu einem Paradigmenwechsel in der Bewertung von Luftschadstoffen führen: Künftig werden viele Atemwegserkrankungen, Krebs und andere wissenschaftlich nachweisbar mit Verbrennungsabgasen in Verbindung stehende Krankheiten nicht mehr mit industriellen Einflüssen erklärt werden müssen. Auch kann dadurch die juristische Bewertung von Extremwettereignissen mit ihren teils Milliarden Dollars an Schäden nicht mehr kausal mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden. Es wird weniger erfolgreiche Klagen gegen Konzerne geben, die sie zu Schadensersatzzahlungen oder anderweitigen Auflagen verpflichtet. Versicherer werden sich diesen Sachverhalt genau ansehen. Auch Krankenversicherungen, die in den USA ohnehin als Gegner ihrer Versicherten angesehen werden. Sie tun jetzt schon alles dafür, damit die Patienten ihre immens hohen Behandlungskosten nicht erstattet bekommen. Eine Deregulierung von Emissionsvorgaben wird die Bewertung von Krankheitsursachen erschweren und Versicherten vermutlich zusätzliche Konflikte aufbürden. Programme der Öffentlichen Gesundheitsvorsorge und der Wohlfahrt werden die Hebel entzogen, um die Beölkerung vor Smog und anderen Luftverschmutzungen zu schützen. Für die ohnehin abgehängte Arbeiterbevölkerung in den Staaten, die kaum an einer ausreichenden Gesundheitsversorgung teilhaben kann, sind solche Programme oft buchstäblich überlebenswichtig.
2. Es wird natürlich definitiv Widerstand gegen die Aufhebung der Novellierung geben. Gouverneure wie Gavin Newsom aus Kalifornien, NGOs und andere Interessengemeinschaften haben bereits angekündigt, gegen die Maßnahme der US-Regierung zu klagen. Letztendlich wird das wohl vor dem Obersten Gerichtshof entschieden werden. Das kann aber dauern. Der Schaden, der bis zu einem vielleicht positiven Urteil für die Kläger*innen angerichtet sein wird, wird nicht nur klima- und gesundheitsschädlicher Natur sein, sondern auch einer des öffentlichen Meinungsbildes. Das wird dadurch verstärkt, dass die Trump-Regierung die Rücknahme des Clean Air Acts nicht mit vermeintlich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen begründet – die gibt es ja schließlich auch nicht – sondern mit juristischen: Die Umweltschutzbehörde EPA habe mit der damaligen Novellierung ihre Befugnisse überschritten, deswegen sei die Rücknahme absolut notwendig. Das ist natürlich ein Scheinargument, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, wie verächtlich so ziemlich jedes Regierungsmitglied der Trump-Administration über Klimawandel und Co. spricht. Hier ist ganz klar eine Kulturkampf-Agenda einerseits und eine profitorientierte anderseits der Treiber – juristische Komplexität wird nur allzu gern als Vehikel benutzt, um eigentlich klare Sachverhalte zu vernebeln oder ungeliebte Gesetze zu bekämpfen. Dadurch wird sich das Ganze aber eben auch in den Gerichtssälen hinziehen, bis die Bevölkerung vermutlich das Interesse verliert; wenn dann News-Portale dies aufgrund mangelnder Quoten nicht mehr medial abdecken wollen, verlieren Klagen gegen die Aufhebung die so immens wichtige öffentliche Aufmerksamkeit.
3. Der internationale Schaden ist durch den Ausstieg der USA aus allen Klimaabkommen eigentlich schon angerichtet. Wenn man aber mit einbezieht, wie genau besonders rechte Populisten im Ausland die US-Innenpolitik beobachten – zum Beispiel die AfD – dann kann man auf kurz oder lang erwarten, dass sich auch außerhalb der USA wieder verstärkt auf das Thema Klimawandel gestürzt werden wird. In ihren Kleinen Anfragen hinterfragt die Partei ja ohnehin immer wieder Sinn und Zweck von Klimaschutzmaßnahmen, um in der Bevölkerung die Saat der Skepsis weiter aufgehen zu lassen, jüngst so geschehen am 10. Februar 2026, wo sich die Partei von der Bundesregierung die Kosten eines ungebremsten Klimawandels vorrechnen lassen wollte. Aber auch die Bundesrepublik selbst erledigt das Thema aktuell ganz ‚gut‘: Mit der jüngsten Rückabwicklung des Heizungsgesetzes der Ampel-Regierung vertrauen Merz, Spahn und Reiche wieder einmal darauf, dass der Markt und nicht der Staat das Problem regeln wird: Selbstverpflichtung und Nutzung grüner Brennstoffe anstelle von staatlicher Verpflichtung zu 65 Prozent nachhaltiger Energienutzung ist die Devise. Dass es diese grünen Brennstoffe in der Menge am Markt gar nicht gibt – geschenkt! Hauptsache, Spahn kann sich gewohnt populistisch vor die Kameras stellen und von „Beseitigung der Gängelei“ von Hausbesitzern sprechen. Zwar bekennt sich die Große Koalition zu Klimaschutz und internationalen Abkommen, innenpolitisch folgt die Regierung mit ihrer Abkehr von Robert Habecks Klimapolitik aber dem gewohnt wirtschaftsliberalen Trend, der am Ende wieder den Endverbrauchern, hier also vor allem Mieter*innen, in die Tasche greifen wird. Hauptsache, man verärgert das Klientel der Immobilienbesitzer nicht zu sehr. Und Ölheizungen dürfen einfach weiter eingebaut werden. In einem reformängstlichen, konservativen Land wie Deutschland ist das keine gute Aussicht für das zukünftige Mindset von Hausbesitzern.
Auch die großen Staaten dieser Welt – China, Russland, Indien – werden mit Verweis auf die USA argumentieren, dass Klimaschutz international ja wohl keine große Sache mehr zu sein scheint. In Zeiten von Krieg und Energiekrisen hat es der weltweite Klimaschutz ohnehin schon schwer genug. Dem treibt Trump mit seiner Abkehr vom Clean Air Act jetzt eben einen weiteren Sargnagel ein.